Aktuelles zum CoWorking in Schwaz

von Albert Kirchmeyr


Online seit: 14.03.2018



Anmerkung des Autors: Herr Jenewein fühlte sich durch zwei Passagen im vorliegenden Text beleidigt, weshalb diese Textteile nachträglich verändert wurden. Ich - Albert Kirchmeyr - halte fest, dass alle beteiligten Personen nur im rechtmäßigen Auftrag der politischen Gremien agieren und sich innerhalb der gesteckten Vorgaben bewegen. Dies sollte auch von Anfang an nicht anders dargestellt werden, eine nicht beabsichtigte anderslautende Interpretationsmöglichkeit war nicht beabsichtigt. Es wird nur unsere Meinung zum Ausdruck gebracht.

 

Ausgangslage


Ein in Gründung befindlicher Verein trat an das Potentialflächenmanagement heran, um Informationen zu geförderten Immobilien seitens der Stadt Schwaz zu erhalten. Geplant war die Errichtung eines CoWorking-Konzepts in Schwaz.


Exkurs CoWorking

Coworking (auch Co-working, engl. „zusammen arbeiten“ bzw. koarbeiten oder kollaborativ arbeiten) ist eine Entwicklung im Bereich „neue Arbeitsformen“. Freiberufler, Kreative, kleinere Startups oder digitale Nomaden arbeiten dabei zugleich in meist größeren, offenen Räumen und können auf diese Weise voneinander profitieren. Sie können unabhängig voneinander agieren und in unterschiedlichen Firmen und Projekten aktiv sein, oder auch gemeinsam Projekte verwirklichen und Hilfe sowie neue Mitstreiter finden.

„Coworking Spaces“ stellen Arbeitsplätze und Infrastruktur (Netzwerk, Drucker, Scanner, Fax, Telefon, Beamer, Besprechungsräume) zeitlich befristet zur Verfügung und ermöglichen die Bildung einer Gemeinschaft („Community“), welche mittels gemeinsamer Veranstaltungen, Workshops und weiterer Aktivitäten gestärkt werden kann. Dabei bleibt die Nutzung jedoch stets unverbindlich und zeitlich flexibel.

Abgefragt am 09.03.18 von https://de.wikipedia.org/wiki/Coworking


 Da sich der Verein, trotz bereits erfolgter Anmietung der Immobilie, durch die Stadt Schwaz nicht auf eine interne Risikoaufteilung einigen konnte, wurde ein Innsbrucker Unternehmer gefunden, der sein bisheriges CoWorking Konzept, durch eine Außenstelle in Schwaz erweitern will.


Derzeitiger Verhandlungsstand


Im Auftrag des Wirtschaftsausschusses (mit Gegenstimme durch BISS) wurden weitere Verhandlungen mit dem Eigentümer der Liegenschaft Cafe Heiss aufgenommen. Das Verhandlungsergebnis sollte einen Mietpreis von 8 EUR (netto oder brutto derzeit nicht bekannt) und eine Mietdauer von 5 Jahren beinhalten. Im Gegenzug soll der Eigentümer alle Investitionen tätigen, um die Immobilie bürotauglich zu machen. (Investitionskosten von rund 50/m EUR wurden hier transportiert)


Standpunkt BISS – Bürgerinitiative Stadt Schwaz


Im Laufe der Diskussion über das Projekt haben wir einen Fördervorschlag eingebracht, der unter https://schwaz.biz/news/fordervorschlag-co-working-space-schwaz/ nachlesbar ist. Da wir bei den aktuellen Verhandlungen weitgehend im Dunklen gelassen wurden, haben wir uns mit alternativen Lösungen beschäftigt. Die Problemfelder sollen im Folgenden aufgezeigt werden und unsere Lösungen dargestellt werden. 

Barrierefreiheit


Die Liegenschaft Cafe Heiss ist in Ermangelung eines ebenerdigen Aufzuges primär nicht barrierefrei zugänglich. Weiters sind die WC Anlagen - ohne bauliche Veränderungen - ebenfalls nicht behindertengerecht umgesetzt. Dies wird von uns als schwerwiegender Mangel betrachtet und stellt die Förderwürdigkeit in Frage. Die Lösung kann nur eine andere Immobilie sein, der Druck diese Immobilie vorschnell zu verwerten ist nicht nachvollziehbar.


Mögliche Lösungsvarianten sind:

-    Evaluierung anderer Liegenschaften auch außerhalb des Potentialflächenmanagements
-    Immobilie DI Kandler (ehem Standort Trigonos)
200 m² Bürofläche mit vorhandener Infrastruktur
EDV-Verkabelung vorhanden, Serverraum vorhanden


Parkplatzsituation


Die Liegenschaft Cafe Heiss liegt in der roten Zone der Stadtgemeinde Schwaz und kann Parkplätze gemäß Stellplatzverordnung nur unterirdisch errichten. Für das dargestellte Konzept stehen keine Parkplätze zur Verfügung. 
Da aus unserer Sicht die CoWorking Plätze nicht rein aus dem näheren Umfeld besetzbar sind und die Personen auch mit PKWs anreisen werden, ist dies ebenfalls ein klarer Punkt gegen das beschrieben Projekt. Eine Förderwürdigkeit wird hier auf Grund der Folgeproblematiken stark verneint. 


Mögliche Lösungsvarianten sind:

-    Evaluierung anderer Liegenschaften auch außerhalb des Potentialflächenmanagements
-    Anmietung externer Parkplätze (min 5)
-    Immobilie DI Kandler (ehem Standort Trigonos)
4 TG Abstellplätze
6 Abstellplätze direkt vor der Immobilie (im Mietpreis)


Konzept 


Derzeit wurde seitens des Betreibers noch kein Konzept an den Wirtschaftsausschuss weitergeleitet. Da im anfänglichen Förderplan eine mietfreie Zeit von 12 Monaten und erhebliche Investitionskosten gefördert werden sollten und ein unternehmerisches Risiko nicht erkennbar war, kann zumindest ein langfristiges Engagement des Innsbrucker Betreibers in Frage gestellt werden. 
Die gegenwärtige Diskussion rund um die Mietverlängerung der Stadt Schwaz auf 5 Jahre zu einem Preis von 8 EUR pro m² (brutto oder netto wurde nicht transportiert) stellt ein Risiko für die öffentliche Hand dar und kann nur bei einer entsprechenden Verpflichtung des Untermieters übernommen werden. In dieser Frage geht es immerhin um 100.000 EUR an Steuergeld, das für andere Investitionen nicht mehr zur Verfügung steht. 

Mögliche Lösungsvarianten sind:

-    Verbindliche Untervermietung auf 5 Jahre
-    Vereinbarung einer Abschlagszahlung bei Kündigung
-    Vorlage eines Konzeptes aus dem unternehmerisches Risiko und langfristiges Engagement ablesbar sind
-    Anpassung der Förderrichtlinien des Potentialflächenmanagements
-    Darlegung des Mehrwerts für die Zone Innenstadt

Verein zur Förderung von Startups in Schwaz


Völlig offen ist auch noch der Status des Vereines Innvalley in diesem Projekt. Die bereits eingerichtete und mit Countdown versehene Webpräsenz des Vereins lautet www.innvalley.at. Der uns seitens Mag. Martin Wex zur Verfügung gestellte Onepager vermittelt die Tätigkeit des Vereins wie folgt: 
-    Netzwerk
-    Information
-    Events
-    Inkubation
-    Coworking
Grundsätzlich soll auch augenscheinlich eine Investitionsberatung angeboten werden. Der Umstand, dass „Alle Services und Leistungen nur für Mitglieder von Innvalley zugänglich“ seien, schließt für uns eine Tätigkeit im Sinne des Gemeinwohls aus. 
Geplant ist scheinbar diesen Verein dafür einzusetzen, zwei von der Stadt geförderte Plätze (je rund 275 EUR pro Monat) an Startups zu vergeben. Über weitere Förderungen für die Tätigkeit des Vereines wurde laut derzeitigem Stand nichts berichtet. 
Aus unserer Sicht ist ein solches Vorgehen politisch nicht verantwortbar. Die Kompetenz für die Vergabe von Förderungen muss in der Hand des Ausschusses bleiben. Weiters ist die Kompetenz in den oben dargestellten Feldern seitens des Vereins derzeit nicht verifizierbar. Da aber beim Ausschuss eine Vorstellung des Vereins erfolgen wird, werden wir dies sehr kritisch hinterfragen.

Mögliche Lösungsvarianten sind:

-    Im Ausschuss ist jegliche Kompetenz zur Beratung von Startup vorhanden, aus diesen Reihen soll auch die Beratung kommen
-    Die Förderungen können nur durch den Ausschuss vergeben werden, eine Verwässerung dieses Rechts, durch einen vorgelagerten kostenpflichtigen Verein ist abzulehnen
-    Um Beratungen hinsichtlich Investitionen vorzunehmen sind geschultes Personal und gewerberechtliche Befähigungen notwendig. Aus Sicht von BISS ist dies nicht Aufgabe eines Fördervereins. 
-    In diesem Punkt muss das Augenmerk auf Innovation gelenkt werden. Was macht Schwaz für GründerInnen spannend? Ein beliebiger Verein kann diese Frage kaum beantworten, hier ist das Stadtmarketing gefordert.
-    Kompetenz der handelnden Personen muss sichergestellt sein und vom Ausschuss abgesegnet werden, ein privater Verein ist dafür ungeeignet.
 

BürgerInnenbeteiligung


Im gesamten Projekt gab es von Anfang an keinerlei Ansatz die Schwazer Bevölkerung miteinzubeziehen. Dies sehen wir sehr kritisch, da so viele, die eventuell auf der Suche nach einer Immobilie wären, oder eine Idee zur Verwendung hätten außen vorgelassen werden. 


Mögliche Lösungsvarianten sind:

-    Darstellung der angemieteten Immobilen seitens Potentialflächenmanagement in der Rathausinfo, auf der Homepage und öffentlichem Aushang
-    Einladung an die Schwazer Bevölkerung Ideen einzubringen 

Zusammenfassung


Leider war auch bei diesem Projekt die Informationslage seitens der Stadt wenig transparent. Wenn Information erfolgte, dann meistens zum letzten möglichen Zeitpunkt. Die eingehende Beschäftigung mit der Thematik von Seiten der Bürgerinitiative konnte aber maßgebliche Schwachstellen aufdecken, welche hoffentlich im Wirtschaftsausschuss Niederschlag finden. 
Wir stellen uns mit dieser Kritik nicht gegen Startups, ganz im Gegenteil. 


Wenn es um die Förderung der Startup Szene aus der öffentlichen Hand geht, dann kann dies nur über einen Anspruch an Innovation passieren. Ein Raum mit Schreibtischen ohne weiterführendes Konzept erfüllt diesen Anspruch unserer Meinung nach nicht.


Als funktionierendes Beispiel einer PrivatPublicPartnership (PPP) kann die Destination Wattens herangezogen werden, die eine innovative Startup Szene angezogen hat.
So lange die Frage nicht beantwortet werden kann, was der Schwazer CoWorking Space noch zusätzlich anbietet, als einen Tisch und einen gemeinsam Drucker, können wir es  von unserer Seite nicht gutheißen, Steuergelder von 100.000EUR einem nicht abschätzbaren Risiko auszusetzen.


Wir bieten weiterhin unsere konstruktive Kritik an, damit dieses Projekt noch auf tragfähige Beine gestellt werden kann. 

Eure Bürgerinitiative Stadt Schwaz
 


Kommentieren 0

Mitglied werden
Du willst dich für unsere schöne Stadt engagieren und hast keine Lust auf sinnlosen Parteihickhack? Dann bist du bei uns genau richtig. Mehr erfährst du unter diesem Link:
Mitglied werden

Die Webseite von BISS - Bürgerinitiative Stadt Schwaz benützt Cookies, um deine Nutzererfahrung zu verbessern.Impressum und Datenschutz